| Deutsche Bahn: Keine Defibrillatoren am Bahnsteig |
| München, 24.08.2011 |
| Technische Bedenken mit dem 16 2/3Hz Oberspannungsleitungsnetz werden vorgeschoben |
Vier Stadtratsabgeordnete der CSU machen bei Münchens
Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) Druck, um eine Ausrüstung der
S-Bahn-Strecke Ostbahnhof – Pasing mit AEDs zu erreichen. Die Deutsche Bahn hat
damit allerdings Probleme.
München ist Vorreiter bei der Ausstattung der U-Bahnhöfe mit AEDs. Mit inzwischen 68 Geräten ist die U-Bahn abgesichert. In den vergangenen zehn Jahren konnten die Geräte 16 Mal mit Erfolg eingesetzt werden. Nun möchten die CSU- Stadtratsabgeordneten Eva Caim, Robert Brannekämper, Dr. Georg Kronawitter und Dr. Manuela Olhausen erreichen, dass sich die Stadt dafür einsetzt, dieses Maß an Sicherheit auch den zahlreichen Pendlern der S-Bahn-Strecke Ostbahnhof – Pasing zu Teil werden zu lassen. Funktionsrisiko Magnetfelder Der Münchner Verkehrs-Verbund (MVV) würde Defibrillatoren an den S-Bahnsteigen grundsätzlich begrüßen, die Entscheidung liegt in diesem Fall aber bei der Deutschen Bahn als S-Bahn-Betreiber. Die DB Station & Service AG hat allerdings ein Problem mit den automatisierten Lebensrettern an den Bahnsteigen. Demzufolge könne kein AED-Hersteller eine Bescheinigung vorweisen, die besage, dass eine Benutzung der AEDs in der Nähe der 16 2/3-Hertz-Spannung unbedenklich sei. Die Defibrillatoren sind nur auf eine Unempfindlichkeit gegen Magnetfelder von 50-Hertz-Wechselspannung geprüft. Die U-Bahnen in München haben damit kein Problem, weil sie mit Gleichstrom betrieben werden. Die Deutsche Bahn verweist dabei auf Untersuchungen der Österreichischen Bundesbahn. Die ÖBB kam zu dem Ergebnis, dass Defibrillatoren weder an Bahnsteigen noch auf Zügen der ÖBB eingesetzt werden dürfen. Zu groß sei das Risiko, dass es zu einer Beeinflussung der AEDs komme und ein Stromstoß empfohlen werde, der auf einer Interpretation von Magnetfeldstörungen beruhe. Die CSU-Stadträte bleiben jedoch bei ihrer Forderung. Sie machen geltend, dass die Verantwortung von AEDs an den S-Bahnsteigen nicht bei der Bahn liegen würden, sondern in den Händen der Gerätebetreiber, nämlich dem Kreisverwaltungsreferat. Das technische Problem wird dabei offenbar ignoriert. Kalkulierbare Risiken Der Einsatz von AED in den Zügen und an den Bahnsteigen ist eine Risiko-Nutzen-Abwägung. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Magnetfeld dem Defibrillator ein Kammerflimmern vorgaukelt, ist äußerst gering. Wahrscheinlicher ist es, dass kein Schock abgegeben wird, obwohl er erforderlich wäre. Die Firma Schiller ist seit Ende 2009 mit der französischen Staatsbahn SNCF im Geschäft. Über 1.000 Defibrillatoren wurden an Bahnsteigen und an Bord der TGV-Schnellzüge installiert. Die Firma Metrax führte bereits 2004 zusammen mit der Deutschen Bahn Praxisversuche an Bahnsteigen durch. Die simulierten Rhythmusstörungen wurden an der Sicherheitslinie vor der Bahnsteigkante sogar erkannt, wenn ein Zug anfährt. „Eine Beeinflussung des AED durch das Magnetfeld ist praktisch ausgeschlossen, wenn ein Abstand von wenigstens drei Metern zur Oberleitung eingehalten wird“, verrät Jürgen Classen, Vertriebsmitarbeiter von Metrax. Die Testergebnisse wurden seinerzeit nicht weiter publik gemacht. Metrax, Hersteller der Primedic Defibrillatoren, bemüht sich um eine formale Bahnzulassung. Mit Bahnbetreibern anderer europäischer Länder ist man offenbar im Gespräch. Auch deutschen Privatbahnen haben kein Problem damit, Defibrillatoren in Zügen zu installieren. Bei der Bayerischen Oberland Bahn (BOB) steht seit 2006 ein halbautomatischer Defibrillator an Bord des Zuges „Tegernsee“ zur Verfügung. Er wurde vom Förderverein Notarztgruppe Tegernseer Tal-Waakirchen gestiftet. „Funktionstests am Bahnsteig Holzkirchen und im Zug mit der Nähe zur Fahrleitung haben keine Störungen aufgezeigt“, teilt die Sprecherin des Unternehmens mit. Den vollständigen Beitrag finden Sie hier... Quelle: rettungsdienst.de
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verfasst am 12.10.2011, 05:13 |